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Geschwisterliebe - ein großer Altersunterschied und seine Vorteile

Für uns war immer klar, dass wir zwei Kinder wollten. Ich selbst habe keine Geschwister und habe mir immer einen großen Bruder gewünscht. Vielleicht wollte ich auch deswegen am liebsten ein gesundes Baby, aber, wenn ich es mir hätte aussuchen können, einen Jungen, einen großen Bruder halt.
Mein Wunsch ging in Erfüllung und im Juli 2010 kam unser Großer auf die Welt. Nach einem Jahr Elternzeit fing ich einen neuen Job an und war sehr glücklich über die Möglichkeit wieder 20 Stunden zu arbeiten und das ganz in der Nähe unseres Wohnortes. Groß war bei den beiden Großeltern gut aufgehoben und der Gedanke an ein Geschwisterchen ist erstmal in weite Ferne gerückt.

Losgelassen hat er uns trotzdem nie und wir waren sehr glücklich, als ich Anfang 2014 wieder schwanger wurde. Doch bereits im Mai überschattete ein schwerer Schicksalsschlag unser Familienglück, als ich durch eine, eigentlich harmlose Kinderkrankheit unser Baby verlor. Die Schwangerschaft war schon fortgeschritten und Groß hat diesen Verlust in all seiner Tragik mitbekommen. Er hat sehr viel geweint und sich verzweifelt ein weiteres Geschwisterchen gewünscht.

Auch unsere Gedanken drehten sich, nach dem Schicksalsschlag weiter um ein Geschwisterchen und ich wusste - jetzt oder nie!
Nach einer weiteren, körperlich guten aber emotional sehr schweren Schwangerschaft durften wir im April 2015 ein gesundes Mädchen in den Armen halten. Wir waren überglücklich und Groß' Worte klingen noch heute in meinem Ohr:
Eine kleine Schwester! Ich werde immer auf sie aufpassen! 
Uns war bewusst, selbst Anfang 2014, dass der Altersunterschied zwischen den Geschwistern recht groß sein würde und nach meiner Fehlgeburt und der erneuten Schwangerschaft liegen jetzt zwischen Groß und Klein fast fünf Jahre.

Ich habe mir darüber viel Gedanken gemacht aber es war und ist für uns immer noch genau so richtig, wie es gekommen ist. Klar haben viele Dinge wieder von vorne begonnen....wickeln, stillen, Still- und Schlafprobleme. Trotzdem hat dieser Altersunterschied für uns auch so viele, schöne Vorteile, die überwiegen.

Besseres Verständnis
In vielen Situationen konnten wir Groß in einfachen Worten erklären, warum wir uns jetzt gerade mehr um Klein kümmern müssen. Warum sie soviel Zeit in Anspruch nimmt und warum Mama und Papa weniger Zeit für ihn haben. Wir haben aber auch ganz bewusst Zeiten eingeräumt, die nur für Groß da waren. Ein besonderer Ausflug mit Papa, einen Nachmittag nur mit Mama, weil Klein bei Oma und Opa war. Groß hat das mit seinen fünf Jahren sehr gut verstanden und konnte auch sehr gut damit umgehen und hat sich immer über seine Exklusivzeiten gefreut.

Mithilfe
Als mein Mann wieder in der Arbeit war, war ich so manches Mal richtig, richtig froh und glücklich über die Mithilfe von Groß, wenn mal wieder alles schwierig war. Mit fünf Jahren konnte er kleine, aber für mich sehr hilfreiche, Aufgaben im Haushalt mit übernehmen. Das hat gut getan, wenn ich mal wieder wie fest geklebt auf der Couch saß, weil das Stillen einfach nicht klappen wollte. Es wäre jetzt eine Lüge, dass diese Mithilfe immer ohne Gemotze abgelaufen wäre. Aber er hat wirklich sehr oft verstanden, dass ich gerade einfach bestimmte Dinge nicht machen konnte und seine Hilfe gebraucht habe.

Mehr Selbstständigkeit
Durch die diversen kleinen Aufgaben, die Groß im Laufe der Zeit übernommen hat und durch seine Hilfe im  Haushalt ist er auch wieder ein kleines Stückchen selbstständiger geworden. Er kann sein Lieblingsessen mittlerweile fast allein zubereiten, er richtet sich am Abend bzw. am Morgen seine Kleidung selbst her, deckt den Tisch oder macht Getränkedienst. Es sind nur Kleinigkeiten, die mir aber in den letzten Monaten gezeigt haben, dass er viele Dinge bereits allein oder mit wenig Hilfe von uns schafft.

Der Aufpasser und Beschützer
So oft sich die beiden auch streiten, so oft sie genau ein und das selbe Spielzeug haben wollen, so oft der eine dem anderen etwas wegnimmt und es Proteste und Tränen gibt, so vehement passt Groß auf seine kleine Schwerster auf, sobald sich nur der Hauch einer Ungerechtigkeit oder Gefahr für Klein anbahnt. Er verteidigt Klein einfach gegen alles und jeden. Gegen uns Eltern, gegen die Großeltern, Freunde, Bekannte, seine Kindergartenfreunde, einfach jeden. Das Streiten unter den beiden scheint eine Sache zu sein. Wenn aber jemand Klein Unrecht tut oder sie schimpft scheint es ein unbeschriebenes Gesetz zu sein, dass Groß auf ihrer Seite steht.

Dadurch, dass Klein immer und einfach alles ihrem großen Bruder nachmachen muss, entstehen einfach oft brenzlige und manchmal auch gefährliche Situationen. Oft genug ist Groß hier zur Stelle, gibt Anweisungen, fängt sie auf, nimmt sie auf den Arm, gibt ihr die Hand und tröstet sie, wenn doch mal was schief geht.

Das große Vorbild 
Sie himmelt ihn an, ihren großen Bruder. Er ist ihr großes Vorbild. Was er macht, macht sie auch. Was er sagt, plappert sie nach. Was er hat, will sie auch. Oft genug lässt sie sich nur von ihm helfen, sei es das Zähneputzen, dass Anziehen, die Haare kämmen, das auf den Hochstuhl klettern. Die Begeisterung fürs Lesen und Bilderbücher hat sie von ihm mitbekommen. Die schrägen Sprüche und komischen Essgewohnheiten allerdings auch.
Aber durch dieses Abschauen und Nachmachen kann Klein viele Dinge schon viel früher als Groß in diesem Alter. Schuhe und Jacke anziehen zum Beispiel. Aufs Klo gehen, Treppen laufen, mit richtigem Besteck essen, um nur ein paar Kleinigkeiten zu nennen.

Das gemeinsame Spielen
Ehrlich gesagt, war das eine meiner großen Sorgen, die Berührungspunkte beim gemeinsamen Spielen. Werden sie miteinander spielen können? Sind die Interessen mit diesem Altersunterschied nicht zu groß? Wird Groß sie mitspielen lassen?
Aber wenn sie sich nicht gerade streiten, klappt das wunderbar. Nachdem Klein eh alles macht, was Groß so vorlebt, fällt es ihr auch gar nicht schwer, gemeinsam mit ihm Lego zu bauen, Kaufladen zu spielen, zu basteln oder zu Lesen. Es ist für mich wirklich schön zu sehen, wie sich die beiden miteinander beschäftigen, wie Groß sich um Klein kümmert und Klein von Groß lernt.

Es ist wunderbar die beiden zusammen aufwachsen zu sehen. Zu sehen, zu hören und zu spüren wie sie sich um sich kümmern, lachen, streiten, weinen und trösten. Ich hoffe dieses Band, diese Geschwisterliebe, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hält ein Leben lang an bei den beiden, auch wenn sich ihre Wege irgendwann einmal (beruflich oder privat bedingt) etwas trennen werden.
Geschwister sind nie allein, sie tragen immer den anderen im Herzen!


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